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Spezialsammlung Bundeswehr

Der Erlebnisbahnhof Westerwald beherbergt in seinen Hallen eine in Deutschland einzigartige Spezialsammlung von Schienenfahrzeugen der Bundeswehr.
Das Thema „Eisenbahnwesen der Bundeswehr“ wurde in den mehr als fünfzig Jahren seit Bestehen der Deutschen Streitkräfte bislang nicht umfassend dargestellt oder gar in einer Ausstellung präsentiert. Es lag weniger daran, dass hier auf Grund militärischer Geheimhaltung nichts allgemein bekannt werden durfte, vielmehr waren es die militärischen Einsatzorte der Lokomotiven und Fahrzeuge. Inmitten bewachter Kasernen- und Depoteinrichtungen versahen mehr als fünfzig Diesellokomotiven in der gesamten Bundesrepublik ihren Dienst. Mitunter konnten diese NATO-oliven Maschinen auch außerhalb der Liegenschaften in Übergabe- und Anschlussgleisen beobachtet werden. Da in Kasernenanlagen grundsätzlich Fotografier- und Filmverbot besteht, wurde von den Eisenbahnfreunden über diese Anschlussbahnen ein Tuch von „Geheimnis und Spekulation“ ausgebreitet. Der Mehrheit ist jedoch entgangen, dass ein Eisenbahnwesen der Bundeswehr überhaupt existent ist. Mit dem Ende des Kalten Krieges, der Auflösung des Warschauer Paktes und der Deutschen Wiedervereinigung begann auch der Abbau des Eisenbahn - Material - Bestandes der Bundeswehr.
1956 wurde der Kauf eigenen Eisenbahnmaterials für die Bundeswehr durch das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung eingeleitet. Bereits am 12.04.1957 wurde mit der Henschel DH 360 die erste Lokomotive an die Truppe ausgeliefert.
Es folgte die Beschaffung einer breit gefächerten Typenpalette von 400-PS und 200-PS Maschinen. Hinzu kamen aber auch Lokomotiven der Alliierten Streitkräfte, die mit der Übergabe von Liegenschaften an die junge Bundeswehr in deren Bestand übernommen wurden. Neues und vereinzelt auch historisches Material war nun im Dienste des Friedens auf den bundeswehreigenen Gleisanlagen im Einsatz.
Es wurde in der Vergangenheit leider versäumt, historisch wertvolles Material der Nachwelt zu erhalten, selbst Bilddokumente sind äußerst selten. Nach nunmehr über fünfzigjähriger Nutzung darf das noch vorhandene Bundeswehr-Eisenbahnmaterial uneingeschränkt zu den technischen Oldtimern gerechnet werden. Die Reduzierung der Streitkräfte hat vielerorts die Schließung der Wirkungsstätten und damit verbunden die Abstellung und Verschrottung der Lokomotiven bewirkt. Es ist also an der Zeit, die noch vorhandenen eisenbahn-historisch wertvollen, substantiell gut erhaltenen und seltenen Sachzeugen in einer Spezialsammlung zusammen zu tragen und zu präsentieren.
Die Zeit arbeitet gegen eine Weiterführung des Eisenbahnbetriebes der Streitkräfte in Bundeswehrliegenschaften. Ursächlich dafür ist u.a. die Politik der Deutschen Bahn AG, die mit MORA C (Marktorientiertes Angebot Cargo) dem Einzelwagen-Ladungsverkehr ein Ende bereitet hat. Wenn auch in den großen Depots der Bundeswehr noch Gleisanschlüsse betrieben werden, so wird die Zufuhr von Großgerät und auch dessen Weiterleitung immer von der vorhandenen Infrastruktur des Absenders bzw. Empfängers bestimmt. Hinzu kommt, dass bei logistischen Dispositionen immer das Einzelgerät betrachtet und im Verfahren bearbeitet wird. Dadurch bekommt in der Regel der Straßentransport den Vorzug. Hinzu kommt die fortschreitende Privatisierung der Bundeswehrlogistik. Es scheint somit abschätzbar, wann die letzte Lokomotive der Bundeswehr ihren Dienst quittiert.
Es wird mit Sicherheit kein Bundeswehr-Eisenbahnmuseum entstehen, obwohl das noch vorhandene historische Material ein solches sicherlich füllen könnte. Auch der Erlebnisbahnhof Westerwald soll und will nicht in dieser Rolle gesehen werden.
Die Spezialsammlung Bundeswehr soll immer nur ein Teilaspekt unseres Ausstellungskonzeptes bleiben!

Struktur und Aufbau der Sammlung Bundeswehr - Eisenbahn

Die im Erlebnisbahnhof Westerwald zur Verfügung stehende Ausstellungsfläche erfordert eine Beschränkung auf wesentliche Exponate. Aus eisenbahntechnischer Sicht gilt es, spezielle Bundeswehr - Entwicklungen zu präsentieren. Aber auch militärhistorische Aspekte sollten bei der Auswahl der Objekte Berücksichtigung finden und letztendlich mit einer JUNG-Lokomotive R42C ein Produkt der einstigen Westerwälder Lokomotivfabrik JUNG-Jungenthal aus Kirchen/Sieg präsentiert werden.
In der Aufbauphase der Streitkräfte stellte die militärische Führung der Bundeswehr den Bedarf von normalspurigen Lokomotiven der 400 PS-Klasse, von Maschinen mit 200 PS und für die Deutsche Marine von Schmalspurlokomotiven der Spurweite 600 mm fest. Daran waren die für die Beschaffung zuständigen Stellen des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) in Koblenz gebunden. Für die Lieferung der 400-PS Maschinen kamen fast alle in der Bundesrepublik Deutschland existierenden Lokfabriken in Betracht und wurden daher auch in die damalige Ausschreibung einbezogen. Die Konstruktionsbasis der Anfang der Fünfziger Jahre gebauten Diesellokomotiven bildeten die Wehrmachtslokomotiven WR 200 und WR 360, die in der Nachkriegszeit als V 20 und V 36 bezeichnet wurden.
Noch existierende Maschinen dieser bewährten Konstruktionen waren nach Kriegsende schnell neuen Verwendungen bei den Alliierten Streitkräften, der Deutschen Bundesbahn und in der Industrie zugeführt worden. Es galt daher ab 1956 den Markt zu sichten und das am besten geeignete Material herauszufinden. Dadurch entstand bei den 400 PS-Lokomotiven die vorhandene Typenvielfalt. Alle Fahrzeuge wurden als Truppenversuchs-Modelle (T-Modelle) beschafft. Die 200 PS-Klasse wurde vom damaligen Marktführer KHD Deutz geliefert. Mit der Deutz KS 230 B wurde dann das erste Standard-Modell (S-Modell) eingeführt und beschafft.
Die nur im Bereich der Marine eingesetzten Schmalspurlokomotiven waren Produkte der Diepholzer Maschinenfabrik DIEMA. Nach zwei Vorauslokomotiven DS 60 erfolgte die Konstruktion der nach Bundeswehrvorstellungen modifizierten DS 90, die in einer Stückzahl von 18 Maschinen an die Marinemunitionsdepots Aurich und Kiel Laboe geliefert wurden.
Die Erhaltung und Ausstellung repräsentativer Vertreter des vorstehend angeführten Eisenbahnmaterials ist Ziel der Sammlung im Erlebnisbahnhof Westerwald.